Dekopatronen herstellen
Dekopatronen (Patronenmunition ohne Treibladung) unterliegen keiner waffenrechtlichen Erlaubnispflicht und können in Deutschland von jedermann erwoben und hergestellt werden. Hülsen, Geschosse und Zünder sind frei verkäuflich.
Das Herstellen einer Dekopatrone ist für einen Wiederlader kein Problem bis auf die Beschaffung entschärfter Zündhütchen. In den USA tauchen ab und an mal “inert primer” auf, aber in Deutschland habe ich noch keine Bezugsquelle gefunden. Abgeschlagene Zündhütchen sehen nun mal nicht besonders gut aus in einem Westerngürtel, also müssen die Primer entschärft werden. Mit Öl oder Wasser kann man die Zündmasse zwar kurzzeitig deaktivieren, aber für eine sichere Dekopatrone muss die Zündmasse aus dem Zündhütchen heraus geholt werden.
Eine genaue Anleitung zum Entschärfen von Züdhütchen gibt es leider nicht, da die Zusammensetzung der Zündmasse von den Herstellern nicht veröffentlicht wird. Die Zündmasse enthält in verschiedenen Zusammensetzungen Tetrazen, Bleitrizinat, Bariumnitrat, Bleidioxid und Kaliumsilizid die alle mehr oder minder wasserlöslich sind.
Ich gebe die Primer ins Ultraschallbad und gieße sie mit kochendem Wasser auf, einige Bestandteile der Zündmasse lösen sich heiß besser auf. Sofort quillt aus den Zündhütchten eine gelbe Brühe. Das Wasser wechsle ich mehrfach aus, nach etwa einer halben Stunde sind die Primer weitestgehend clean. Man kann es von oben sehen: die vorhandene Zündmasse schimmert Dunkelgrün, bei den sauberen Primern sieht man den Boden glänzen. Von allen Zündhütchen die ich probiert habe, ließen sich die Federal am besten mit Wasser reinigen.
Nach Auffassung des BKA ist Patronenmunition ohne Treibladung standardmäßig mit einer Bohrung zu versehen. Die Bohrung ist nicht zwingend notwendig, wenn auf andere geeignete Art und Weise ersichtlich ist, dass es sich um keine scharfe Munition handelt, beispielsweise durch entfernen des Zündhütchens oder durch einfüllen einer Schrotkugel. Ein abgeschlagenes Zündhütchen allein ist kein Indiz für eine unscharfe Patrone, weil es sich auch um einen Versager handeln könnte.
Zum Zusammensetzen der Dekopatrone braucht man nicht unbdingt eine komplette Wiederladerausrüstung. Das Lee Classic Loader Kit für 28,-€ ist eine preiswerte Alternative für Nicht-Wiederlader, man benötigt nur einen Holz- oder Gummihammer und eine feste Unterlage. Als Geschoss verlade ich ein 154 grs Kegelstumpf-Bleigeschoss von Jürgen Toennißen (SE-Geschosse)

May 7th, 2009 at 22:46
Das Lee Classic Loader Kit läßt sich auch hervorragend zum Wiederladen verwenden.
Die Päzision der damit hergestellten Patronen steht denen mit einer Ladepresse in nichts nach!
Gerade für einen Einsteiger wegen des günstigen Preises unbedingt zu empfehlen.
Einziger Nachteil ist der etwas größere Zeitaufwand.
June 27th, 2009 at 15:50
Gerade Einsteigern – also Menschen, die mit dem Schiessen und Wiederladen beginnen wollen – würde ich vom Lee Classic Loader aber abraten. Die Teile sind mit den üblichen Gerätschaften (Matrizen) nicht kompatibel.
Es gibt sehr viele preiswerte Geräte, die kompatibel sind und deswegen auch im Falle von Erweiterungen tauglich.
Wenn man ein Kaliber sehr selten lädt oder z.B. Dekopatronen herstellen will, dann ist der Classic Loader eine gute Idee. Aber nicht zum Laden von Munition für Einsteiger – da vergeht einem der Spass bis man mal seine Trainingsmuni zusammen hat.
Mein Tipp wäre die Lee Handladepresse.
November 1st, 2009 at 16:58
Hallo,
ich habe eine kleine Anekdote zum Thema Deko-Mun.
Neulich auf dem Flughafen Berlin-Tegel:
Stellt Euch vor: Eine Patronenhülse in .300 Win Mag, abgeschlagenes Zündhütchen, mit der Zange zusammengekniffener Hülsenmund mit umgebogenen glattgeschliffenen Ecken, durchbohrt für für Schlüsselring (am Schlüsslbund hängend), angebohrter Hülsenkörper.
Was meint Ihr was die einen Aufstand beim Zoll gemacht haben. Letztendlich konnte ich mit Schlüsselanänger ins Flugzeug.
In Düsseldorf gab es keine Probleme, nicht mal einen Kommentar.
Viele Grüße
Mick