Panther im Wolfspelz #1
Seit einigen Jahren habe ich ein historisches Scharfschützengewehr für das sportliche Ordonnanzwaffenschießen im Auge. Originale aus dieser Zeit sind sehr selten und werden zu Preisen zwischen 1800,- bis 7500,-€ gehandelt. Diese Sammlertücke sind mittlerweile zu wertvoll zum Sportschießen, zudem genügen die Läufe aus Kriegsfertigung auch nicht mehr heutigen Präzisionanforderungen. Deshalb möchte ich mir von einem Büchsenmacher ein Gewehr nach historischem Vorbild neu aufbauen lassen. Meine Wahl fiel auf das beste Scharfschützengewehr seiner Zeit, den deutschen K98 mit Schichtholzschaft, hoher Turmmontage und Zielsechs. Ausgestattet mit einem modernen Matchlauf, engem Lagermaß, Kunstharzbettung, freischwingendem Lauf und überarbeitetem Abzug kann es mit modernen Scharfschützengewehren durchaus mithalten. Altes Gewehr mit neuem Herz – das ist ein Panther im Wolfspelz.
AWO425 riet mir zu einem 98er mit auf Kaliber .308 konvertiertem Lauf. Das Kaiber .308 hat aus sportlicher Sicht nur Vorteile gegenüber dem Kaliber 8×57 JS. Bessere Eigenpräzision, weniger Rückstoß, gerigere Wärmeentwicklung sowie bessere Verfügbarkeit präzieser Geschosse und Hülsen. K98 Gewehre wurden nach dem Krieg von verschiedenen Staaten auf das Kaliber .30 umgerüstet. So erhielt beispielsweise der junge Staat Israel Gewehre aus dem Bestand der ehemaligen Wehrmacht, aber auch in Norwegen, Belgien und Tschechien wurde Beutegewehre auf Kaliber .308 konvertiert. Die Präzision dieser Waffen ist in der Regel gut. Da diese Waffen meist aus Einzelteilen neu aufgebaut und bestempelt wurden, sind sie nur noch selten nummerngleich und befinden sich heute in einem arg malträtierten, stark gebrauchtem Zustand. Daraus nochmal ein neues Gewehr aufbauen zu lassen lohnt sich aus meiner Sicht nicht, wenn die Büchse sowieso einen .308 Lauf erhalten soll. Ich suche also einen “sauberen”, nummerngleichen K98 aus deutscher Fertigung von 1941-43.
Die Suche nach einem geeigneten System gestaltete sich zunächst langwieriger als gedacht. Es sind zwar noch jede Menge K98 am Markt, aber das meiste davon ist nicht nummerngleicher, mehrfach überarbeiterer und überstempelter Schrott. “Unberührte” nummergleiche Büchsen aus deutscher Fertigung mit gut erhaltenem Schichtholzschaft sind mittlerweile nur noch zu Sammlerpreisen zu haben. Vor einiger Zeit fand ich dann bei Egun einen nummerngleichen K98, Herstellercode bnz (Daimler-Steyr-Puch) von 1943. Die Waffe war von einem Büchsenmacher neu brüniert worden und somit für Sammler uninteressant. Der Verkäufer gab zudem einen “leicht ausgeschossenen” Lauf an. Da ich den Lauf sowieso wechseln wollte, erwarb ich die Büchse für 350,-€.
Die Waffe wurde vom Waffenamt 623 (Steyr) abgenommen und besitzt außer den Orginalstempeln (Adler mit Svastika) keinerlei Fremdstempel oder Neubeschuss. Aus Sammlersicht ist es immer schade, eine Waffe mit Originalstempeln mit einem neuem Lauf zu beschießen. Aus sportlicher Sicht ist es leider eine Notwendigkeit, denn die damals verbauten Läufe haben zum einen nicht die Güte um beim Sportschießen mit Optik ganz vorn mithalten zu können. Zum anderen haben Militärlaufe aus jender Zeit ein schmales Feldprofil für das Verschießen nickelplatinierter Weicheisengeschosse. Die heutigen weichen HPBT-Matchgeschosse kommen mit breiterem Profil besser zurecht.
