Waffen-Prohibition #1
Es gibt zwei demokratische Staaten, die in den letzten Jahren eine Waffen-Prohibition durchgesetzt haben, das sind Großbritanien und Australien. In beiden Ländern ist es nach dem Verbot zu einem deutlichen Anstieg der Schusswaffenkriminalität, der Gewaltkriminalität, sowie bei Wohnungseinbrüchen gekommen. In England hat sich die Anzahl der Todesopfer durch Schusswaffengebrauch seit dem Verbot verdoppelt, insgesamt ist die Entwicklung der Schusswaffenkriminalität so ungünstig, dass die Regierung jene Deliktgruppen, die auf dem Vollzug des neuen Waffenverbots beruhen, aus den Statistiken entfernt. Nach einem Bericht der britischen Zeitung “Sunday Telegraph” liegt die tatsächliche Quote der in England mit Schußwaffen begangenen Straftaten 60 Prozent höher als die Zahlen, die die Regierung veröffentlicht. Dem Crime Report 2009 des Britischen Innenministeriums werde ich mich in einem weiteren Beitrag widmen.
Deutschland gehört zu den sichersten Ländern der Welt. Die Zahl der Schusswafffentoten ist seit Jahren konstant auf sehr niedrigem Niveau, sogar mit leichtem Abwärtstrend. Die Gründe hierfür sind recht simpel: Waffen, die sich unter staatlicher Kontrolle befinden eignen sich nicht für Straftaten, außer für solche, bei denen von vornherein keine Verdunklungsabsicht besteht, wie Selbstmord oder erweiterter Selbstmord. Die mit legal besessenen Waffen ausgeübten Straftaten machen insgesamt nur ganze 2,5% der Schusswaffendelikte aus, dazu gehören aber leider auch so spektakuläre Verbrechen wie das Schulmassaker von Winnenden.
Nun könnte man ja sagen: “Lasst uns alle legalen Waffen verbieten, dann senken wir die Zahl der Schusswaffentoten eben um jene 2,5%, das ist immerhin eine zweistellige Anzahl von Menschenleben, die man jährlich dadurch retten könnte.” Die Rechnung geht leider nicht auf, denn wenn die legalen Waffen verboten werden, deckt sich ein Teil der Bevölkerung illegal ein und dann wird es gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine illegale Waffe für eine Straftat verwendet wird, liegt 40 x höher als bei einer legalen Waffe. Deshalb kommt es in England trotz der Verringerung Gesamtbestandes zu mehr Tötungen durch Schusswaffen als vor dem Verbot. Die Formel “weniger legale Waffen = weniger illegale Waffen” ist eine Lüge und diejenigen die sie verbreiten wissen das auch.
Man sollte sich keine Illusionen machen über die Beschaffenheit der Welt. Es gibt drei Dinge, die an jedem Ort der Erde immer und in ausreichendem Maße vorhanden sind: Das sind Alkohol, Drogen und Waffen. In Zeiten subjektiv schwindenden Sicherheitsempfindens kann nichts und niemand die Menschen daran hindern, sich zu bewaffnen und zwar nirgendwo auf der Welt. Sobald es in Deutschland einen Markt für illegale Waffen gibt werden Kriminelle ihn ebenso bedienen, wie sie unseren schönen Kontinent bereits mit Drogen, Prostituierten oder gefälschten Markenprodukten versorgen.
Nun könnte man ja sagen: “Lasst uns versuchen überall auf der Welt die Waffen zu vernichten, dann kommt niemand mehr zu Schaden.” Schön wär’s und als Kind habe ich mir das auch gewünscht. Leider lässt sich die Herstellung von Waffen nicht unterbinden. Waffen sind nämlich keine High-Tech Produkte, sondern einfache Metallwaren. Vor hundert Jahren war eine Waffe vielleicht noch einer kleiner Wertgegenstand wie eine Armbanduhr. Heute ist eine Waffe ein billiges Massenprodukt wie eine Armbanduhr, in der Herstellung in etwa so anspruchvoll wie eine Schlagbohrmaschine. Eine Glock besteht gerade mal aus 34 Einzelteilen, das meiste Plastik und Blechprägeteile, Herstellungskosten in Asien unter 20,-€.
Am Khyberpass zwischen Pakistan und Afghanistan fertigen Büchsenmacher alle auf der Welt verfügbaren Waffenmodelle in traditioneller Handarbeit, von der historischen Sammlerwaffe bis zum modernen Sturmgewehr. Eine Pistole kostet $50, eine Kalashnikov $180, eine Bulpupwaffe neuester Bauart $250. Die Fertigung ist sehr einfach, trotzdem sind die Waffen von ausreichender Güte und Präzision. Die Waffen von Khyberpass haben zwar keinen Einfluss auf den europäischen Markt, jedoch verdeutlicht dieser Film sehr bildhaft, dass ein Herstellungs- und Handelsverbot von Handfeuerwaffen praktisch nicht durchsetzbar ist.
http://www.youtube.com/watch?v=kDeH3GHLGQU
Einige Angehörige der Opfer von Winnenden haben sich zu einem Aktionsbündnis zusammen geschlossen und nutzen die mediale Aufmerksamkeit um flächendeckende Verbote zu fordern. Ich verstehe ihren Schmerz um den Verlust ihrer Kinder und auch, dass einige von ihnen wohl nicht eher Ruhe finden werden, bis auch der letzte Sportschütze in diesem Land geteert und geferdert durch die Straßen gejagt wurde. Aber eine Prohibition ist keine Lösung für mehr Sicherheit in Deutschland, das hat bislang weder beim Alkohol noch bei den Waffen funktioniert. Im Gegenteil, es wurde nie so viel gesoffen wie unter der Alkohol-Prohibition und den USA und Finland, und es wurde auch nie so viel geschossen wie seit der Waffen-Prohibition in England und Australien.
